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Stellungnahme zum Artikel "Die Rache aus dem Stall" DIE ZEIT Nr.48 2014

Tödliche Keime aus dem Stall?

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT wird die moderne Nutztierhaltung als Quelle der Antibiotika-resistenten Keime (MRSA) verantwortlich gemacht. Züchten wir durch Antibiotikaeinsatz in den Ställen tödliche Keime heran oder sind womöglich andere Faktoren gravierender?
Wie im Artikel richtig beschrieben sind als Quellen für MRSA Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und die Tierhaltung zu nennen. Doch wie groß ist der Einfluss der Tierhaltung wirklich?

 

Die Autoren selbst beschreiben, womöglich ohne es selbst zu merken, in ihrem ersten Absatz den unverantwortlichen Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin. Anstatt ein Antibiogramm zu erstellen wurden bei der Patientin nach und nach Antibiotika ausgetestet. In der Tierhaltung wäre in einem ähnlichen Fall schon nach kurzer Zeit ein Antibiogramm erstellt worden.  Dies lohnt sich gerade bei größeren Einheiten damit ein geeignetes Medikament ausgewählt werden kann.

Nach Darstellung der ZEIT scheint es Standard zu sein in deutschen Schweine- und Geflügelställen Antibiotika in großen Mengen zu verabreichen und die Ställe aus dubiosen Gründen abzuschotten. Das ist schlichtweg falsch: Durch die Behandlung kranker Tiere mit Antibiotika betreibt der Tierhalter aktiven Tierschutz. Die prophylaktische Gabe bzw. die Gabe von Antibiotika zur Leistungssteigerung ist  verboten.  Die Ställe sind gerade deswegen isoliert um Krankheitseinträge zu minimieren und dadurch den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren. Durch bessere Haltungsbedingungen und Hygienemaßnahmen gelingt es den Tierhaltern schon seit Jahren den Antibiotikaeinsatz stetig zu reduzieren.

Genaue Zahlen, an wie vielen Todesfällen die tierassoziierten Keime beteiligt sind, konnte nicht ermittelt werden und wurde auch von den Autoren als solches erkannt. Selbst Erkenntnis der Autoren, dass Tier-MRSA nur zu 2 % in den Krankenhäusern auftritt, ließ sie nicht davor zurückschrecken diese als Hauptursache für die Problematik in den Krankenhäusern zu nennen (98% der MRSA kommen aus Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungen).  Laut Bundesinstitut für Risikobewertung  weisen die Tier-MRSA nur selten Antibiotikaresistenzen für Medikamente auf, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden. Dies wurde im Artikel jedoch vollkommen außer Acht gelassen.

Ein direkter Zusammenhang von Viehdichte und Auftreten von MRSA ist bei genauerer Betrachtung ebenfalls nicht zu erkennen. Besonders auffällig sind hierbei die Kreise Höxter, Holzminden und Goslar. Diese haben zwar  geringe Viehdichten jedoch eine sehr hohe MRSA-Diagnoserate, wohingegen  der Kreis Borken eine zwei bis vierfach höhere GVE Viehdichte hat, jedoch nur die Hälfte der MRSA-Diagnosen der zuvor genannten Kreise aufweist.
Bei  Menschen mit Kontakt zu Nutztieren ist die Wahrscheinlichkeit der Besiedelung mit MRSA erhöht, aber wie sieht es denn mit den Haustieren aus, welche ebenso mit Antibiotika behandelt werden und in viel engerem Kontakt zu ihren Haltern stehen?
Die größte Frage, die wir uns allerdings stellen ist die, warum die Menschen, die täglich in den "Keimställen" arbeiten trotzdem noch gesund sind, auch wenn sie, was ab und zu mal vorkommt, kleine Verletzungen haben.

Der Vorschlag eines kompletten Antibiotikaverbots in der Tierhaltung, wie es der Grüne Minister Meyer laut ZEIT fordert, führt unweigerlich zur Tierquälerei. Es ist eine Utopie zu glauben, dass in der Tierhaltung auf Antibiotika verzichtet werden kann, wenn dies nicht einmal beim Menschen möglich ist.

Übrigens: In den Niederlanden, wo die Viehdichte und der Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung deutlich höher sind als in Deutschland, treten deutlich weniger MRSA-positive Diagnosen auf. Woran liegt das? Wie Witte bereits im Artikel der ZEIT erwähnt ist es kontroproduktiv sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen, sondern es muss gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden. Schade, dass die Redaktion noch nicht so weit zu sein scheint.

Abschließend noch einige Zahlenspiele:
Die Rechnung der ZEIT ist falsch: In Niedersachsen haben wir laut ZEIT-Angabe 79 Mio. Schweine, Hühner und Puten, was bei einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 2,6 Mio. ha 329 m² Fläche je Tier macht. Das sind 0,003 Tiere je Quadratmeter Land.

(Quelle zur landwirtschaftlichen Nutzfläche in Niedersachsen)

Ein 120 kg Schwein hat nicht weniger als einen Quadratmeter Platz: Ab 110 kg Lebendgewicht muss jedem Schwein mindestens ein Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen.


Allen weiter interessierten Menschen empfehlen wir unsere Artikel:

Multiresistente Keime aus dem Stall?

Stopfen die Tierhalter ihre Tiere mit Antibiotika voll?

hier finden Sie auch die Quellenangaben zu unseren Recherchen.

 

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